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Analysen

CSRD nach dem Omnibus: Aus dem Anwendungsbereich heißt nicht aus der Pflicht

Seit März 2026 ist das Omnibus-Paket in Kraft: fünfmal weniger Unternehmen unterliegen der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Scheinbar eine gute Nachricht. Nur verschwindet der Druck nicht, er wechselt lediglich den Kanal.

30. Juli 2026 · 3 Min. Lesezeit

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Michael Aim

Michael Aim

Gründer & CEO

Im Dezember 2025 vom Europäischen Parlament verabschiedet, am 26. Februar 2026 im Amtsblatt veröffentlicht und seit dem 18. März in Kraft: Das Omnibus-Paket hat sein Versprechen der Vereinfachung eingelöst. Ein Unternehmen fällt künftig nur dann unter die CSRD, wenn es sowohl die Schwelle von 1.000 Beschäftigten als auch die von 450 Millionen Euro Umsatz überschreitet. Laut Kommission fallen dadurch etwa 80 Prozent der ursprünglich betroffenen Unternehmen aus dem Anwendungsbereich.

Auch die Standards selbst wurden gerade entschlackt: Am 3. Juli 2026 verabschiedete die Kommission den delegierten Rechtsakt zu den überarbeiteten ESRS, mit mehr als 60 Prozent weniger verpflichtenden Datenpunkten (insgesamt über 70 Prozent) und mindestens 30 Prozent geringeren Berichtskosten pro Unternehmen. Anwendung findet dies ab den Geschäftsjahren, die am 1. Januar 2027 beginnen. Für Tausende mittelständische Unternehmen, die sich bereits auf die Berichterstattung vorbereitet hatten, ist die Versuchung groß: alles stoppen.

Der Druck wechselt den Kanal, nicht die Intensität

Das wäre eine Fehldeutung der Entwicklung. Die großen, weiterhin berichtspflichtigen Unternehmen müssen ihre Wertschöpfungskette dokumentieren, und diese Anforderung sickert nach unten durch: Ihre Zulieferer sind zwar aus dem regulatorischen Anwendungsbereich herausgefallen, bleiben aber im geschäftlichen Anwendungsbereich. Der ESG-Fragebogen des Auftraggebers tritt an die Stelle der Richtlinie, mit einem bedeutenden Unterschied: Er kündigt sich nicht an, er ist Vertragsbedingung.

Hinzu kommen Banken und Versicherer, die Nachhaltigkeit in ihre Konditionen einpreisen, sowie öffentliche Ausschreibungen, die sie bewerten. Die rechtliche Pflicht hat sich konzentriert, die faktische Anforderung hat sich verbreitet.

Die Schockwelle erfasst auch die Sorgfaltspflicht

Der Omnibus beschränkt sich nicht auf die Berichterstattung: Er erleichtert auch die Sorgfaltspflichtenrichtlinie (CS3D), indem er ihren Geltungsbereich und Zeitplan verengt. Doch die grundlegende Logik übersteht die Vereinfachung: Die größten Akteure bleiben für ihre Wertschöpfungskette verantwortlich und werden ihre Zulieferer daher weiter befragen, Anwendungsbereich hin oder her.

Für Unternehmen, die aus dem Geltungsbereich gefallen sind, treibt die EFRAG übrigens einen eigenen freiwilligen Standard voran, gedacht als gemeinsame Sprache zwischen KMU und Auftraggebern. Das Signal ist eindeutig: Die Berichtspflicht zieht sich zurück, die standardisierte Nachhaltigkeitsdaten hingegen werden zur Lingua franca der Geschäftsbeziehungen.

Was große Auftraggeber bereits tun

In der Praxis straffen die Einkaufsabteilungen berichtspflichtiger Konzerne ihre Lieferantenfragebögen entlang der vereinfachten Standards, Banken integrieren Nachhaltigkeit in ihre Kreditraster, und die öffentliche Auftragsvergabe bewertet sie in Ausschreibungen. Drei Kanäle, eine Konsequenz: Ein durchschnittliches mittelständisches Unternehmen wird jährlich Dutzende ESG-Anfragen beantworten müssen.

Ohne interne Messgrundlage wird jeder Fragebogen zum Projekt: Man sammelt neu, schätzt neu, liefert Zahlen, die von Kunde zu Kunde voneinander abweichen. Die versteckten Kosten der ‚geringeren Pflicht' können die der ursprünglichen Pflicht übersteigen, wenn die Daten nicht ein für alle Mal strukturiert wurden.

Messen, ohne zu über-reporten

Die vernünftige Position für ein mittelständisches Unternehmen ist weder die Berichtsmaschinerie von vor dem Omnibus noch der komplette Verzicht: Es ist ein gemessener, verhältnismäßiger ESG-Reifegrad, aus dem sich bei Bedarf genau das extrahieren lässt, was ein Kunde, eine Bank oder eine öffentliche Ausschreibung verlangt. Wissen, wo man bei Energie, Emissionen und Lieferkette steht, ohne dafür ein Vollzeitteam abzustellen.

Genau das ermöglicht ein Reifegrad-Referenzrahmen: die strukturierte Messung zuerst, die Berichterstattung als Nebenprodukt, im jeweils geforderten Format. Der Omnibus hat die Pflicht abgeschafft, alles offenzulegen, nicht die Notwendigkeit, es zu wissen.